1962, das Jahr in dem mein Goggomobil in Dingolfing produziert wurde und erstmals Asphalt unter seine Räder bekam
1962, das ist schon sehr lange her. Auf dieser Seite möchte ich ein paar wenige Eindrücke vermitteln wie es damals war.
Der oben schon kurz erwähnte Asphalt auf Deutschlands Strassen war lange nicht so gut wie heute. Viele Schlaglöcher säumten die Straßen. Nicht umsonst warb Glas seinerzeit damit,
dass es sich bei dem Goggomobil um ein "Gleichspurauto" handelte, also die Hinterräder genau den Vorderrädern in der Spur folgen. Somit war es möglich Schlaglöchern gezielt
auszuweichen. Das war der kleine "Seitenhieb" in Richtung BMW Isetta und Messerschmitt Kabinenroller. Aber auch die damals weit verbreiteten "Tempo Hanseat" Kleinlastwagen hatten mit ihren 3 Rädern etwas
schwerer zu kämpfen auf schlechten Straßen.
Der damalige Erstbesitzer von meinem Goggomobil hat 3145 DM auf den Tisch des Händlers geblättert um endlich motorisiert zu sein, bzw. ein Dach über dem Kopf zu haben.
Er hat damals ein (mein) Goggo der vorletzten Serie erworben. Ein Jahr später kam die letzte Große Änderung- keine Selbstmördertüren mehr. Hatte er noch Geld für ein Autoradio übrig gehabt, so konnte er Hits
wie "Zwei kleine Italiener" von Conny Froboess hören, oder Rex Gildo mit "Speedy Gonzales", auch Freddy Quinn mit "Junge, komm bald wieder" war ein Hit dieses Jahres .
Vielleicht auch schon die ersten Titel der Beatles oder Rolling Stones die sich 1962 gründeten. Natürlich gab es auch schon eine Menge gebrauchte Goggomobile. Ein damals 3
Jahre altes Goggo, also von 1959 hatte nur noch 1900 DM gekostet, eines aus der ersten Serie von 1955 war 1962 für 600DM zu bekommen. Aus heutiger Sicht war ein
Goggomobil sehr preisgünstig, sicherlich war es damals auch eines der preiswertesten Fahrzeuge, aber die Löhne und Gehälter waren ebenfalls erheblich niedriger als heute.
Preise 1962:
Die Bundesbahn beförderte eine Person in der 2. Klasse für 0,08Pf. / Kilometer.
Ein Standard Brief durfte mit 0,20Pf. frankiert werden.
Ein Paket bis 5Kg kostete DM 1,50.
Ein Paar Herren Leder Schuhe (siehe Bild) kosten DM 32,90.
Ein Paar Damen Nylon Strümpfe kosten DM 1,45.
Wie Preiswert ein Goggomobil 1962 war, kann man gut anhand der
aufgelisteten Preise anderer Atomobile erkennen die 1962 zu kaufen waren:
VW Käfer Export Modell: 4740 DM
Opel Rekord 1,5L: 6545 DM
Opel Kapitän L: 10675 DM - übrigens lag der Kapitän zeitweise an 2 Stelle der Zulassungsstatistik
Glas Isar 600: 4570 DM
Ford 12M: 5555 DM
Mercedes-Benz 180D: 9450 DM
DKW 1000 S Coupè: 6495 DM
NSU Prinz: 3484 DM
Lloyd Alexander TS: 3858 DM
BMW Isetta 250: 2695 DM (2755DM als 300`er Isetta
Borgward Isabella de Luxe: 9125 DM
Goliat 1100: 6135 DM
Schaut man sich diese Preise an, ging für viele kein Weg am Goggomobil vorbei, obwohl die wöchentliche Arbeitszeit noch über 40Stunden lag. 1962 verdiente ein kaufmännischer
Angestellter zum Beispiel 723 DM im Monat, oder, ein Arbeiter in der Industrie 473 DM im Monat ! Da muß auch für ein Goggomobil kräftig gespart werden. Trotz, oder wegen dieser
Verdienste, wurde das Goggomobil schon seit seinem Erscheinen mehr als 100.000 mal verkauft. Im Jahre 1962 lag der Mindesturlaub bei 15 Tagen. Man hatte also nicht sehr viel Freizeit
um mit seinem Goggomobil kleinere oder größere Ausfahrten zu unternehmen. Anfang der 1960er Jahre ging es auch langsam mit den "Tante Emma" Läden zu Ende. Supermärkte
wuchsen im modernen Design aus dem Boden.
1962, das Jahr der Sturmflut an der Nordsee, die Mauer zur DDR stand auch schon ein Jahr, aber auch schönes- die ersten Karl May Filme liefen in den Kinos an. Die Architektur war "streng" und einfach und aus heutiger Sicht wenig
einladend.
Die leere Straße dieses Bildes hier rechts täuscht ein wenig. Auch in den frühen 60´er Jahren gab es schon Staus.
Leider weiß ich nichts über die Herkunft und Besitzer meines
Goggomobils. Vielleicht fuhr es ja auch wie auf dem Bild in einer Großstadt? Oder knatterte es über Landwege vom Bauernhof ins Dorf?
Vielleicht war ja auch eine Frau Erstbesitzerin meines Goggomobils?
Wenn es so war, dann trug sie sicherlich eine Bluse aus Nylon, Strümpfe aus Perlon und einen eleganten Mantel aus Popeline. Die Jacke in ihrem Kleiderschrank bestand aus
Trevira. Der Minirock war noch nicht erfunden, den konnte sie erst 2 Jahre später kaufen. Auch die heute eher belustigende TV Serie Raumpatrouille (Raumschiff Orion) gab es erst 1964.
Die Wohnungseinrichtung war genauso streng und nüchtern wie die Häuser von außen.
Ach ja, 1962 sah ein heute glücklicher Goggomobilbesitzer und schreiber dieser
Zeilen übrigens so aus:
Dieses Bild links zeigt einen Ausschnitt einer Esso Tankstelle mit Werkstatt aus der Zeit. Überall vertreten waren damals noch die
Mischsäulern für 2 Takt Benzin. Natürlich nicht nur für Goggomobile, sondern auch für die vielen Mopeds und Motorräder.
Übrigens, der Preisunterschied von einem Goggomobil T 250 zum T 300 betrug nur 30DM mehr. Hier die Auflistung der 1962 verfügbaren Glas Fahrzeuge und die Neupreise dazu:
Goggomobil T 250: 3145 DM
Goggomobil T 300: 3175 DM
Goggomobil T 400: 3200 DM
Goggomobil TS 250: 3552 DM
Goggomobil TS 300: 3602 DM
Goggomobil TS 400: 3642 DM
Isar 600: 4570 DM
Isar 700: 4630 DM
Isar 600 Kombi: 4810 DM
Isar 700 Kombi: 4870 DM
Goggomobil TL 250 (Transporter) : 3622 DM
Goggomobil TL 300 (Transporter) : 3732 DM
Goggomobil TL 400 (Transporter) : 3812 DM
Goggomobil TL 250 (Pick Up) : 3602 DM
Goggomobil TL 300 (Pick Up) : 3732 DM
Goggomobil TL 400 (Pick Up) : 3792 DM
Leider werde ich nicht erfahren was für einen "Lebensweg" mein Goggo über die Jahrzehnte gehabt hat.
1962 - war es wirklich die sprichwörtlich " Gute alte Zeit " ?
Weitere Bilder aus den 50er und 60er Jahren
Gesichter der Personen und Kennzeichen der Fahrzeuge wurden zur Erhaltung der Privatsphäre bearbeitet.